Tennis-Regeln und Zählweise einfach erklärt
Tennis-Regeln einfach erklärt: wie man Punkte zählt, was Einstand und Breakball bedeuten, wie der Tiebreak funktioniert und wie lange ein Match dauert.
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Wer zum ersten Mal ein Tennismatch verfolgt, stolpert über die Zahlen. Nach dem ersten Punkt steht es 15:0, nach dem zweiten 30:0, dann 40:0, und bei 40:40 sagt der Schiedsrichter plötzlich „Einstand“. Dahinter steckt ein System, das in den ITF Rules of Tennis, dem weltweit gültigen Regelwerk des Tennis-Weltverbands, auf wenigen Seiten festgehalten ist. Dieser Ratgeber erklärt es von unten nach oben: vom Punkt über das Spiel und den Satz bis zum Match. Die Regeltexte haben wir aus dem Englischen übersetzt.
Wie zählt man beim Tennis Punkte?
Ein Spiel (englisch „game“) besteht aus einer Folge von Punkten, bei denen, mit Ausnahme des Tiebreaks, immer derselbe Spieler aufschlägt. Regel 5 der ITF Rules of Tennis legt die Ansage fest, wobei der Stand des Aufschlägers zuerst genannt wird: kein Punkt heißt „Love“ (auf Deutsch meist „null“), der erste Punkt „15“, der zweite „30“, der dritte „40“, der vierte „Spiel“.
Haben beide Spieler drei Punkte, steht es nicht „40 beide“, sondern Einstand, im Englischen „deuce“. Ab jetzt braucht es zwei Punkte Vorsprung. Wer nach dem Einstand den nächsten Punkt gewinnt, hat „Vorteil“. Gewinnt er auch den folgenden Punkt, ist das Spiel entschieden; verliert er ihn, heißt es wieder Einstand. Ein Spiel kann so theoretisch endlos dauern. Das gilt für das Einzel; im Profi-Doppel auf ATP- und WTA-Tour wird nach der No-Ad-Regel gezählt, bei der ein einziger Entscheidungspunkt beim Einstand das Spiel beendet (Anhang VI der ITF-Regeln, für das Doppel vorgeschrieben im ATP Official Rulebook 2026).
Warum zählt man beim Tennis 15, 30, 40?
Ehrlich gesagt: Niemand weiß es sicher. Die Zählweise gilt laut dem Wikipedia-Artikel zur Zählweise als mittelalterlich-französisch. Die älteste bekannte Erwähnung ist eine Ballade von Charles d'Orléans aus dem Jahr 1435, in der von „quarante cinq“, also 45, die Rede ist; daraus wurde später die 40. Erste Theorien zur Herkunft der 15 erschienen 1555 und 1579. Der Artikel hält fest, dass die Ursprünge trotz allem im Dunkeln liegen.
Drei Erklärungen werden immer wieder genannt. Die bekannteste ist die Uhr: Auf einem Ziffernblatt wurde der Zeiger je Punkt um eine Viertelstunde weitergestellt, 15, 30, 45, und bei 60 war das Spiel vorbei; die 45 sei zur 40 geworden, damit nach dem Einstand noch Platz für zwei Schritte à zehn blieb. Dagegen spricht, dass Uhren im 15. Jahrhundert in der Regel nur Stunden anzeigten. Die zweite Theorie stammt aus dem Jeu de Paume, dem Vorläufer des Tennis: Der Aufschläger durfte nach jedem gewonnenen Punkt näher ans Netz rücken, erst 15 Fuß, dann noch einmal 15, dann 10. Der Artikel hält sie für wenig plausibel, weil die Plätze keine einheitliche Länge hatten. Die dritte Erklärung sieht schlicht das Rechnen in Sechzigerschritten am Werk, das im mittelalterlichen Geld- und Wettwesen üblich war: vier mal 15 ergibt 60.
Ähnlich unsicher ist das „Love“ für null. Am wahrscheinlichsten ist die Wendung „to play for love“, also um nichts zu spielen. Die oft erzählte Herleitung vom französischen „l'œuf“, dem Ei, das aussieht wie eine Null, ist eine weitere Theorie, kein Beleg.
Wie viele Spiele braucht man für einen Satz?
Regel 6: Einen Satz gewinnt, wer zuerst sechs Spiele gewonnen hat, mit mindestens zwei Spielen Vorsprung. 6:4 und 7:5 sind also normale Satzergebnisse. Steht es 6:6, hängt es vom Modus ab. Im „Tiebreak-Satz“ wird jetzt ein Tiebreak gespielt, im „Vorteilssatz“ geht es so lange weiter, bis jemand zwei Spiele Vorsprung hat. Welcher Modus gilt und wie der letzte Satz eines Matches entschieden wird, muss vor dem Turnier angekündigt werden.
Wie funktioniert der Tiebreak?
Im Tiebreak werden die Punkte laut Regel 5 nicht mehr 15, 30, 40 gezählt, sondern eins, zwei, drei. Wer zuerst sieben Punkte hat, gewinnt Spiel und Satz, wieder mit zwei Punkten Vorsprung; bei 6:6 im Tiebreak geht es weiter, bis der Vorsprung steht. Der Spieler, der an der Reihe ist, schlägt den ersten Punkt auf, danach wechselt der Aufschlag alle zwei Punkte. Nach jeweils sechs Punkten wechseln die Spieler die Seiten (Regel 10). Ein so gewonnener Satz steht als 7:6 in der Bilanz, die Zahl in Klammern nennt die Punkte des Verlierers im Tiebreak: 7:6 (5) bedeutet, der Tiebreak endete 7:5.
Davon zu unterscheiden ist der Match-Tiebreak, den das Regelwerk in Anhang VI als zugelassene Alternative beschreibt. Er ersetzt den kompletten Entscheidungssatz und geht bis zehn Punkte, ebenfalls mit zwei Punkten Vorsprung. Üblich ist er vor allem im Doppel; bei den ATP Finals werden alle Doppel mit zwei Sätzen und einem Match-Tiebreak gespielt.
Eine dritte Variante hat sich bei den größten Turnieren durchgesetzt: der Tiebreak bis zehn Punkte beim Stand von 6:6 im Entscheidungssatz. Am 16. März 2022 gaben die vier Grand-Slam-Turniere gemeinsam bekannt, diese Regel ab den French Open 2022 einheitlich anzuwenden; das Grand-Slam-Regelbuch 2026 schreibt sie heute fest. Zuvor hatte jedes Turnier seine eigene Lösung: Die Australian Open spielten den Zehn-Punkte-Tiebreak schon seit 2019, die US Open den normalen Tiebreak bis sieben, Wimbledon erst beim Stand von 12:12, und in Paris wurde der fünfte Satz ohne Tiebreak zu Ende gespielt.
Wie viele Sätze werden beim Tennis gespielt?
Regel 7 kennt zwei Formate. Best-of-three: Wer zwei Sätze gewinnt, hat das Match gewonnen. Best-of-five: Es braucht drei Sätze. Über fünf Sätze wird heute fast nur noch bei Grand-Slam-Turnieren gespielt, und auch dort nur im Herreneinzel des Hauptfelds; alle anderen Wettbewerbe, also Dameneinzel, Doppel und Qualifikation, sind laut Grand-Slam-Regelbuch Best-of-three. Auf der ATP-Tour gilt Best-of-three, auch im Finale der ATP Finals. Die Endspiele der Masters-1000-Turniere wurden bis 2007 meist über fünf Sätze gespielt, seit 2008 nicht mehr.
Ein Ergebnis liest sich Satz für Satz. Alexander Zverevs Erstrundensieg bei den US Open 2026, 6:4, 3:6, 6:7 (7), 7:5, 6:4 gegen Lorenzo Sonego, heißt: Er gewann den ersten Satz, verlor den zweiten, verlor den dritten im Tiebreak mit 7:9, gewann den vierten und den fünften. Drei Sätze für ihn, zwei für Sonego, Match gewonnen.
Was sind ein Break und ein Breakball?
Ein Break ist laut Tennis-Glossar ein Spiel, das der Rückschläger gewinnt, also der Spieler, der nicht aufschlägt. Das Gegenteil, das eigene Aufschlagspiel zu gewinnen, heißt „Hold“. Weil auf hohem Niveau der Aufschläger sein Spiel meistens gewinnt, sind Breaks die Momente, in denen ein Satz kippt: Wer einmal gebreakt hat und alle eigenen Aufschlagspiele hält, gewinnt den Satz.
Ein Breakball ist entsprechend ein Punkt, mit dem der Rückschläger das Spiel gewinnen würde. Er entsteht bei 30:40 oder bei Vorteil für den Rückschläger. Bei 15:40 hat der Rückschläger zwei Breakbälle, bei 0:40 drei. Ob ein Spieler seine Breakbälle nutzt, entscheidet oft mehr als die Zahl der erspielten: Zverev erspielte sich gegen Sonego 22 Breakbälle und nutzte fünf, und das Match dauerte fast fünf Stunden.
Welche Regeln gelten beim Aufschlag?
Der Aufschläger steht laut Regel 16 mit beiden Füßen hinter der Grundlinie, zwischen der gedachten Verlängerung der Mittelmarkierung und der Seitenlinie, wirft den Ball mit der Hand hoch und trifft ihn, bevor er den Boden berührt. Der Aufschlag muss übers Netz ins diagonal gegenüberliegende Aufschlagfeld gehen (Regel 17); er wird abwechselnd von der rechten und der linken Hälfte gespielt, jedes Spiel beginnt rechts. Berührt der Aufschläger beim Aufschlag die Grundlinie oder verändert er seine Position durch Gehen oder Laufen, ist das ein Fußfehler (Regel 18).
Jeder Punkt beginnt mit bis zu zwei Versuchen. Ist der erste Aufschlag ein Fehler, folgt der zweite (Regel 20). Sind beide Fehler, ist der Punkt verloren (Regel 24): der Doppelfehler. Eine Ausnahme ist das „Let“ nach Regel 22: Berührt der Aufschlag das Netz und wäre sonst gut, zählt dieser Versuch nicht und wird wiederholt. Ein vorheriger Fehler bleibt dabei bestehen; ein Let beim zweiten Aufschlag bringt also nur den zweiten Aufschlag zurück, nicht den ersten. Auf Deutsch wird das Let oft „Netzaufschlag“ genannt.
Wie lange dauert ein Tennismatch?
Eine feste Dauer gibt es nicht, weil kein Spiel, kein Satz und kein Match zeitlich begrenzt ist. Belegte Zahlen sind rar. Für die Herreneinzel bei Grand-Slam-Turnieren berichtete Front Office Sports unter Berufung auf The Athletic, dass ein Match 1999 im Durchschnitt 2:21 Stunden dauerte und 2023 2:54 Stunden. Für Best-of-three-Matches auf der Tour haben wir keine offizielle Durchschnittszahl gefunden und nennen deshalb keine.
Wie groß die Spanne ist, zeigten die US Open 2026 innerhalb einer Woche. Zverev brauchte gegen Sonego 4:53 Stunden, gegen Alejandro Tabilo zwei Runden später 2:26 Stunden. Botic van de Zandschulp und Arthur Géa spielten im Achtelfinale 5:13 Stunden, laut ATP das viertlängste Match bei den US Open seit 1991.
Den Rekord hält ein Match, das es unter den heutigen Regeln nicht mehr geben könnte: John Isner gegen Nicolas Mahut in der ersten Runde von Wimbledon 2010, 11 Stunden und 5 Minuten über drei Tage, fünfter Satz 70:68, weil Wimbledon damals im letzten Satz keinen Tiebreak kannte. Das längste Grand-Slam-Finale war das der Australian Open 2012 zwischen Novak Djokovic und Rafael Nadal mit 5:53 Stunden.
Alle Regelangaben in diesem Text stammen aus den ITF Rules of Tennis 2026 und dem Grand-Slam-Regelbuch 2026, die historischen Angaben aus den verlinkten Quellen.
Quellen
Wesentliche Aussagen in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Quellen.
- 01International Tennis Federation · ITF Rules of Tennis 2026 (Rules 5-7 scoring, 10 change of ends, 16-24 service and loss of point, Appendix VI alternative scoring methods)abgerufen
- 02ATP Tour · The 2026 ATP Official Rulebook (Sections 1.01, 1.08, 7.03, 7.12-7.16, 7.20, medical rules, Live ELC protocol, draw result definitions)abgerufen
- 03International Tennis Federation · 2026 Official Grand Slam Rule Book (qualifying: lucky losers and substitutions; set format of main-draw matches)abgerufen
- 04Australian Open (Tennis Australia) · Grand Slams jointly adopt 10-point final-set tiebreakveröffentlicht · abgerufen
- 05Wikipedia · Tennis scoring system (game, set and match scoring; history of the 15-30-40 calls and 'love'; final-set rules by tournament)abgerufen
- 06Wikipedia · Glossary of tennis terms (break, break point, hold, let)abgerufen
- 07Wikipedia · ATP Masters 1000 (history since 1990, the nine tournaments, Hamburg downgrade in 2009, best-of-five finals until 2007)abgerufen
- 08Nitto ATP Finals · Rules And Format (Nitto ATP Finals, Inalpi Arena Torino, 15-22 November 2026)abgerufen
- 09Wikipedia · Longest tennis match records (Isner-Mahut 2010; longest Grand Slam finals)abgerufen
- 10Front Office Sports · Longest Grand Slam Tennis Matches in History (average men's Grand Slam match duration 1999 vs 2023, attributed to The Athletic)veröffentlicht · abgerufen
- 11ATP Tour · Alexander Zverev survives 4hr 53min first-round scare at US Openveröffentlicht · abgerufen
- 12ATP Tour · Alexander Zverev back on track, Learner Tien survives Jakub Mensik in late-night US Open thrillerveröffentlicht · abgerufen
- 13ATP Tour · Van de Zandschulp saves MP in five-hr battle, reaches US Open QFsveröffentlicht · abgerufen
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