Wie die ATP-Tour funktioniert: Turniere, Punkte und Weltrangliste
ATP-Turniere erklärt: Masters 1000, ATP 500 und 250, Challenger Tour, wie die ATP-Weltrangliste und das ATP Race funktionieren und wer zu den ATP Finals fährt.
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Fast jede Woche des Jahres wird irgendwo auf der Welt ein Tennisturnier der Männer gespielt, und fast jedes davon gehört zur ATP-Tour. Begriffe wie Masters 1000, ATP 500 oder Challenger klingen nach Fachsprache, dabei ist das System einfacher, als es aussieht: Die Zahl im Namen ist die Zahl der Punkte, die der Sieger bekommt. Dieser Ratgeber erklärt die Stufen, die Weltrangliste, das Race und die vier Turniere in Deutschland.
Welche ATP-Turniere gibt es?
Das offizielle ATP-Regelbuch kennt in Abschnitt 1.01 fünf Kategorien im Männertennis: die Turniere der ATP-Tour, die ATP Challenger Tour, die Grand Slams, den Davis Cup und die ITF World Tennis Tour. Nur die ersten beiden veranstaltet die ATP selbst; die Grand Slams laufen unter dem Tennis-Weltverband, zählen aber wie alle anderen Ebenen für die ATP-Weltrangliste. Die Punkte pro Stufe stehen in der Ranglisten-FAQ der ATP.
| Stufe | Turniere 2026 | Punkte für den Sieger | Feld im Einzel | Beispiele |
|---|---|---|---|---|
| Grand Slam | 4 | 2.000 | 128 | Wimbledon, US Open |
| ATP Finals | 1 | bis 1.500 | 8 | Turin |
| Masters 1000 | 9 | 1.000 | 96 oder 56 | Indian Wells, Rom, Paris |
| ATP 500 | 16 | 500 | 48 oder 32 | Halle, München, Hamburg |
| ATP 250 | 29 | 250 | 28 oder 32 | Stuttgart |
| Challenger Tour | mehrere Hundert | 50 bis 175 | Challenger 175 in der zweiten Woche von Rom und Madrid | |
| ITF World Tennis Tour | 15 oder 25 | M15- und M25-Turniere |
Die Zahl der Turniere stammt aus dem Kalender 2026 der ATP, die Feldgrößen aus Abschnitt 7.08 des ATP-Regelbuchs, den Punktetabellen der FAQ und dem Grand-Slam-Regelbuch. Für die Challenger Tour nennt die ATP nur „Hunderte Turniere pro Saison“ in mehr als 55 Ländern.
Was unterscheidet Masters 1000, ATP 500 und ATP 250?
Vor allem Punkte, Preisgeld und damit die Stärke des Feldes. Die neun Masters-1000-Turniere gibt es laut Wikipedia seit der Gründung der ATP-Tour 1990; heute sind es Indian Wells, Miami, Monte Carlo, Madrid, Rom, Toronto beziehungsweise Montreal, Cincinnati, Shanghai und Paris. Für die Topspieler sind sie Pflicht: Das Regelbuch verlangt von ihnen die Teilnahme an allen Masters-1000-Turnieren, für die sie zugelassen sind, sowie an mindestens vier ATP-500-Turnieren, davon eines nach den US Open. Monte Carlo ist die Ausnahme ohne Teilnahmepflicht.
Bei den 16 ATP-500-Turnieren ist kein bestimmtes Turnier vorgeschrieben, wohl aber die Kategorie: Die Top 30 müssen vier davon spielen und dürfen sich aussuchen, welche. Die 29 ATP-250-Turniere sind für niemanden Pflicht. Beide Stufen füllen den Kalender zwischen den großen Stationen. Die Zahl im Namen ist zugleich die Zahl der Siegerpunkte. Alle vier deutschen Turniere gehören zu diesen beiden Stufen.
Was ist die Challenger Tour?
Die Challenger Tour ist laut ATP die zweithöchste Ebene des Männertennis, direkt unterhalb der ATP-Tour. Die ATP beschreibt den Weg nach oben als Treppe: World Tennis Tour Juniors, World Tennis Tour, Challenger, ATP-Tour. Die Challenger-Turniere heißen nach ihren Siegerpunkten Challenger 50, 75, 100, 125 und 175; die Top-Kategorie 175 wird laut Wikipedia seit 2023 in der zweiten Woche der Masters-Turniere von Indian Wells, Madrid und Rom gespielt. Die ITF World Tennis Tour darunter ist die unterste Sprosse der Profileiter; ihre Turniere bringen 15 oder 25 Punkte.
Wie schnell das gehen kann, zeigte 2026 Arthur Géa: Im Januar gewann er in Nouméa seinen ersten Challenger-Titel und rückte in die Top 200, im August als Nummer 127 der Welt beim ATP-250-Turnier in Los Cabos seinen ersten Titel auf der Tour, und im September stand er als Lucky Loser im Achtelfinale der US Open.
Wie funktioniert die ATP-Weltrangliste?
Die PIF ATP Rankings, wie die Weltrangliste offiziell heißt, bilden die Ergebnisse der jeweils letzten 52 Wochen ab. So steht es in Abschnitt 9.01 des Ranglistenkapitels im ATP-Regelbuch: Jedes Turnierergebnis bleibt 52 Wochen im System und fällt dann heraus. Wer ein Turnier gewonnen hat, verteidigt im Jahr darauf also nicht den Titel, sondern die Punkte; verliert er früher, verliert er in der Rangliste Boden. Die Rangliste erscheint laut ATP montags, aber nicht in jeder Woche: Während laufender Zwei-Wochen-Turniere wird keine neue Liste berechnet, im Jahr sind es rund 45 Ausgaben. Sie entscheidet über Zulassung und Setzung bei allen Turnieren.
Nicht alle Ergebnisse zählen. In die Wertung gehen laut Regelbuch die vier Grand Slams, die acht Pflicht-Masters, die ATP Finals und die sechs besten übrigen Ergebnisse ein, etwa aus ATP-500-, ATP-250- oder Challenger-Turnieren, zusammen 19 Turniere. Ein Masters, das ein Spieler auslässt, zählt als null, kann aber unter bestimmten Bedingungen durch ein besseres Ergebnis aus einem kleineren Turnier ersetzt werden, höchstens dreimal in 52 Wochen. In der Rangliste vom 31. August 2026 steht Jannik Sinner an der Spitze, Alexander Zverev mit 7.790 Punkten auf Platz zwei. Weil Sinner die US Open wegen einer Knieverletzung absagte, ist Zverev in New York trotzdem zum ersten Mal an Nummer eins gesetzt: Die Setzliste folgt der Rangliste unter den Spielern, die tatsächlich antreten.
Was ist das ATP Race to Turin?
Neben der Weltrangliste führt die ATP eine zweite Liste, das ATP Race, offiziell PIF ATP Live Race To Turin. Die ATP beschreibt es als eine Version der Rangliste, die sich nur auf das laufende Kalenderjahr bezieht. Im Januar fängt jeder bei null an; die Weltrangliste dagegen kennt keinen Neustart.
Das Race bestimmt, wer zu den ATP Finals fährt. Laut FAQ qualifizieren sich die besten sieben des Race nach dem letzten ATP-Turnier vor den Finals direkt; die Turniere in der Woche nach dem Masters in Paris zählen also noch. Der achte Platz ist für einen Grand-Slam-Sieger des Jahres reserviert, der im Race zwischen Platz acht und 20 steht; gibt es zwei, fährt der besser platzierte, der andere wird Ersatzspieler; gibt es keinen, geht der Platz an den Achten des Race. Sinner hatte sich laut Wikipedia am 10. Juli 2026 als Erster qualifiziert, Zverev am 6. August als Zweiter.
Wie laufen die ATP Finals ab?
Laut den offiziellen Regeln werden die acht Spieler in zwei Vierergruppen gelost; jeder spielt gegen jeden in seiner Gruppe, die beiden Besten jeder Gruppe erreichen das Halbfinale, dann folgt das Finale. Alle Matches gehen über zwei Gewinnsätze mit Tiebreak, auch das Endspiel. Ein Spieler, der alle fünf Matches gewinnt, sammelt laut FAQ 1.500 Punkte: 200 für jeden Gruppensieg, 400 für das Halbfinale, 500 für das Finale. Die Ausgabe 2026 findet vom 15. bis 22. November in der Inalpi Arena in Turin statt, zum sechsten Mal in Folge dort. Zverev hat das Turnier 2018 und 2021 gewonnen.
Wie verläuft eine Saison?
Der ATP-Kalender 2026 startete am 2. Januar mit dem United Cup in Australien, es folgten die Australian Open ab 18. Januar. Der Frühling gehört dem Sand: München im April, Hamburg im Mai, dann die French Open ab 24. Mai. Danach kommen wenige Wochen Rasen mit Stuttgart, Halle und Wimbledon ab 29. Juni, ein Sommer auf Hartplatz bis zu den US Open mit dem Finale am 13. September und ein Herbst in den Hallen. Den Schlusspunkt setzen die ATP Finals in Turin und die Davis-Cup-Finals vom 24. bis 29. November in Bologna. Insgesamt zählt der Kalender laut Wikipedia 65 Turniere.
Welche ATP-Turniere finden in Deutschland statt?
Vier, zwischen Mitte April und Ende Juni, zwei auf Sand und zwei auf Rasen; die Beläge nennt der Wikipedia-Kalender, alle anderen Angaben stammen von den Turnierseiten der ATP.
Die BMW Open in München fanden 2026 vom 13. bis 19. April auf der Anlage des MTTC Iphitos statt, zum 57. Mal. Seit 2025 ist das Turnier ein ATP 500, zuvor war es ein ATP 250. Die meisten Titel teilen sich Philipp Kohlschreiber und Zverev mit je drei; Zverev war 2025 der letzte deutsche Sieger, mit einem 6:2, 6:4 im Finale gegen Ben Shelton.
Die Hamburg Open am Rothenbaum, 2026 vom 17. bis 23. Mai, sind ebenfalls ein ATP 500. Bis 2008 gehörte Hamburg zur Masters-Serie und wurde 2009 in die 500er-Kategorie zurückgestuft. Letzter deutscher Sieger war Zverev 2023.
Die Boss Open in Stuttgart auf dem Weissenhof sind das einzige deutsche ATP 250, gespielt auf Rasen, 2026 vom 8. bis 14. Juni. Rafael Nadal hält mit drei Titeln den Rekord, der letzte deutsche Sieger war Michael Stich 1991.
Die Terra Wortmann Open in Halle, 2026 vom 15. bis 21. Juni in der OWL Arena, gehören seit 1993 zur kurzen Rasensaison vor Wimbledon und sind ein ATP 500. Federer gewann hier zehnmal. Letzter deutscher Sieger war Florian Mayer 2016.
Welche Wettbewerbe geben keine Ranglistenpunkte?
Drei Wettbewerbe im Kalender vergeben laut Wikipedia keine Punkte für die Weltrangliste: der Davis Cup, der Laver Cup und die Next Gen ATP Finals. Beim Davis Cup treten Nationalmannschaften an; er wird vom Weltverband veranstaltet und besteht seit 1900. Seit der Reform 2019 wird die Endrunde an einem Ort ausgetragen; eine Begegnung besteht dort aus zwei Einzeln und einem Doppel, alle über zwei Gewinnsätze. Die Endrunde 2026 mit acht Teams findet vom 24. bis 29. November in Bologna statt, mit Gastgeber Italien und den sieben Siegern der Qualifikationsrunde im September.
Der Laver Cup ist ein Einladungsturnier nach dem Vorbild des Ryder Cups im Golf: sechs Europäer gegen sechs Spieler aus dem Rest der Welt, drei Tage lang, seit 2017. Laut Wikipedia werden zwölf Matches gespielt, neun Einzel und drei Doppel; ein Sieg zählt am ersten Tag einen Punkt, am zweiten zwei, am dritten drei, und wer zuerst 13 Punkte hat, gewinnt. Zverev hat mit 21 Punkten mehr gesammelt als jeder andere Spieler. 2026 findet der Laver Cup vom 25. bis 27. September in London statt. Die Next Gen ATP Finals im Dezember versammeln die acht besten Spieler der Saison, die höchstens 20 Jahre alt sind. Der United Cup zu Saisonbeginn, gemeinsam mit der WTA veranstaltet, gibt dagegen Punkte, laut FAQ bis zu 500.
Alle Zahlen in diesem Text stammen aus den verlinkten Quellen, Regeltexte haben wir aus dem Englischen übersetzt.
Quellen
Wesentliche Aussagen in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Quellen.
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- 31ATP Tour · Los Cabos 2026 final match report: Arthur Gea def. Denis Shapovalov 6-3, 6-4veröffentlicht · abgerufen
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