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Zverevs Nachtschichten: Was neun Stunden Tennis vor dem Achtelfinale bedeuten

Zwei Fünfsatzmatches bis gegen zwei Uhr morgens, dann ein schneller Dreisatzsieg. Vor dem Achtelfinale gegen Luciano Darderi: was die Zahlen zeigen und was sie nicht zeigen.

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Alexander Zverev in schwarzem Trikot und schwarzem Stirnband, in Nahaufnahme vor einem blauen Hartplatz.
Alexander Zverev vor einem Match beim Miami Open im März 2026. Archivbild, nicht vom aktuellen Turnier.Archivbild · Rick Munroe / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · unmodified original upload

Alexander Zverev ist zum ersten Mal in seiner Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier an Nummer eins gesetzt, weil der Weltranglistenerste Jannik Sinner seine Teilnahme an den US Open am 21. August wegen einer Knieverletzung absagte. Von der Setzliste hat er in New York bisher wenig gehabt. Seine erste Woche bestand aus zwei Fünfsatzmatches, die um 1:55 Uhr und um 2:15 Uhr nachts endeten, und einem Drittrundenspiel, das so aussah, wie man es von einem Topgesetzten erwartet. In der Nacht auf Dienstag trifft er im Achtelfinale auf Luciano Darderi.

Der Weg ins Achtelfinale

RundeGegnerErgebnisDauerEnde (Ortszeit)
1. RundeLorenzo Sonego6:4, 3:6, 6:7 (7), 7:5, 6:44:53 h1:55 Uhr, Mittwoch
2. RundeQuentin Halys (Q)6:4, 4:6, 7:6 (3), 6:7 (3), 6:34:33 h2:15 Uhr, Freitag
3. RundeAlejandro Tabilo [25]6:2, 7:6 (2), 6:22:26 hSamstagabend

Die Erstrundenpartie gegen Sonego, laut ATP Nummer 89 der Welt und 31 Jahre alt, war Zverevs zweitlängstes Grand-Slam-Match überhaupt; nur das Halbfinale der Australian Open im Januar gegen Carlos Alcaraz dauerte mit 5:27 Stunden länger. Zverev erspielte sich 22 Breakbälle und nutzte fünf. Im vierten Satz stand er bei 4:5 und 30:30 auf eigenem Aufschlag zwei Punkte vor der Niederlage. „Ich glaube, das ist das längste Erstrundenmatch, das ich je in meinem Leben gespielt habe“, sagte er danach auf Englisch.

Zwei Tage später wiederholte sich das Muster gegen den Qualifikanten Halys: 29 Asse, 20 Breakbälle, wieder fünf genutzt, ein dritter Satz von 75 Minuten, in dem Halys mit 4:1 führte. Zverev nannte seine eigene Leistung im Original mit einem Kraftausdruck schlecht. „Aber ich habe gewonnen, und das ist das Wichtigste“, sagte er. „Ich war wieder viereinhalb Stunden hier. Wieder 2:15 Uhr.“

Nach zwei Runden stand Zverev bei neun Stunden und 26 Minuten Spielzeit, nach Angaben der ATP die längste Zeit, die ein Topgesetzter seit 1999 gebraucht hat, um bei einem Grand-Slam-Turnier die dritte Runde zu erreichen.

Am Samstag gegen Tabilo gab er im ersten Satz keinen Breakball ab, wehrte im Verlauf des Matches sechs von acht Breakbällen ab und war nach 2:26 Stunden fertig. Den Rat seines Trainers gab er anschließend so wieder:

Er hat mir erklärt, dass ein Best-of-five-Match nicht bedeutet, dass man fünf Sätze spielen muss. Das wusste ich bis heute nicht.

Alexander Zverev nach dem Sieg gegen Alejandro Tabilo, aus dem Englischen übersetzt (ATP Tour)

Was die Zahlen zeigen

Zverev hat in den beiden Fünfsatzmatches nicht zu wenige Chancen erarbeitet, sondern zu wenige genutzt. Fünf von 22 und fünf von 20 verwandelte Breakbälle entsprechen Verwertungsquoten von 23 und 25 Prozent.

Getragen hat ihn der Aufschlag: 29 Asse gegen Halys, kein abgegebener Breakball im ersten Satz gegen Tabilo. Die ATP beschrieb im Halys-Bericht wiederholt verschlagene Vorhände und weniger Konstanz von der Grundlinie als gewohnt; der Aufschlag habe ihn in den engen Momenten gerettet.

Die dritte Runde war ein anderes Match, kürzer, klarer, mit einer deutlich besseren Bilanz in den eigenen Aufschlagspielen. Ob das an Zverev, an Tabilo oder an der Tageszeit lag, lässt sich aus einem einzelnen Ergebnis nicht ablesen.

Was sie nicht zeigen

Die drei Matches summieren sich auf 11:52 Stunden, verteilt auf drei Nächte. Ob das Spuren hinterlässt, lässt sich vorher nicht sagen; ein Ergebnis belegt keine Erschöpfung und ein Dreisatzsieg keine Erholung. Was feststeht, ist der Spielplan. Zverev spielte Samstagabend und tritt erst Montagabend wieder an, angesetzt in der Nachtsession im Arthur Ashe Stadium nicht vor 19 Uhr Ortszeit, als zweites Match nach Gauff gegen Jovic. Das sind rund 48 Stunden Pause, so viel wie zwischen den Runden eines Grand-Slam-Turniers üblich. Am selben Tag spielt mit Arthur Géa der erste Lucky Loser seit 2022 in einem Achtelfinale der US Open, gegen Botic van de Zandschulp.

Zverev selbst hat die frühen Marathons nicht als Problem dargestellt. Nach dem Sonego-Match sagte er, das sei genau die Art Match, die er gebraucht habe, nachdem er bei den letzten beiden Turnieren zu kämpfen hatte. Bei den Masters-Turnieren in Montreal und Cincinnati hatte er laut ATP zusammen zwei Siege und zwei Niederlagen.

Darderi und die Erinnerung an Rom

Luciano Darderi ist an Position 21 gesetzt und steht zum ersten Mal im Achtelfinale der US Open. In der dritten Runde besiegte er den australischen Wildcard-Spieler Dane Sweeny 6:4, 6:3, 6:3. Die beiden haben in diesem Jahr schon einmal gegeneinander gespielt.

In Rom führte Zverev mit 6:1 und 5:3, servierte bei 5:4 zum Matchgewinn und hatte im Tiebreak des zweiten Satzes vier Matchbälle. Darderi wehrte alle vier ab, drei davon bei Zverevs Aufschlag, und gewann den dritten Satz 6:0. Es war sein erster Sieg gegen einen Top-10-Spieler.

Für Montagnacht folgt daraus wenig. Rom war Sand, New York ist Hartplatz, und Darderi spielte in Rom vor heimischem Publikum; er sagte danach selbst, er habe „wegen der Zuschauer gewonnen“. Was bleibt, ist ein Gegner, der Zverev in einem einzelnen Satz aus dem Rhythmus bringen kann.

Der größere Einsatz

Zverev gewann im Juni bei den French Open gegen Flavio Cobolli seinen ersten Grand-Slam-Titel. Im Juli verlor er das Wimbledon-Finale gegen Sinner. In Grand-Slam-Finals steht er nun bei einem Sieg und vier Niederlagen. Bei den US Open lautet seine Bilanz laut ATP 30:10; sein bestes Ergebnis war das Finale 2020, das er gegen Dominic Thiem nach 2:0-Satzführung verlor.

Sollte er in New York gewinnen, wäre er nach Angaben der ATP der vierte Mann der Profi-Ära, der seine ersten beiden Grand-Slam-Titel im selben Kalenderjahr holt, nach Jimmy Connors 1974, Guillermo Vilas 1977, mit genau der Kombination Paris und New York, und Jannik Sinner 2024. Vor ihm liegen dafür noch vier Matches, das erste gegen einen Gegner, der ihn im Mai von vier Matchbällen zurückgeholt hat.

Zum Nachlesen

Die US Open werden im Hauptfeld seit dem 30. August gespielt, das Finale ist für den 13. September angesetzt. Zverev ist in der Weltrangliste vom 31. August mit 7.790 Punkten die Nummer zwei hinter Sinner. Alle Ergebnisse und Zitate in diesem Text stammen aus den verlinkten Quellen; die Uhrzeiten sind New Yorker Ortszeit.

Quellen

Wesentliche Aussagen in diesem Artikel stützen sich auf die folgenden Quellen.

  1. 01ATP Tour · Alexander Zverev survives 4hr 53min first-round scare at US Openveröffentlicht · abgerufen
  2. 02ATP Tour · Alexander Zverev wins second straight five-setter at US Openveröffentlicht · abgerufen
  3. 03ATP Tour · Alexander Zverev back on track, Learner Tien survives Jakub Mensik in late-night US Open thrillerveröffentlicht · abgerufen
  4. 04ATP Tour · Alexander Zverev's shot at joining exclusive club: One major down, another in sight for 2026veröffentlicht · abgerufen
  5. 05ATP Tour · Luciano Darderi saves 4 MPs, upsets Alexander Zverev in Rome thrillerveröffentlicht · abgerufen
  6. 06ATP Tour · What is the US Open schedule? (Monday 7 September order of play)veröffentlicht · abgerufen
  7. 07ATP Tour · Jannik Sinner withdraws from the US Openveröffentlicht · abgerufen
  8. 08ATP Tour · PIF ATP Rankings, singles, week of 31 August 2026veröffentlicht · abgerufen
  9. 09Wikipedia · 2026 US Open – Men's singlesabgerufen